T_____heater der Bedienbarkeit
T_____heater der Bedienbarkeit

     
Theater der Bedienbarkeit

Dem Theater der Bedienbarkeit liegt die Annahme zu Grunde, dass wir uns primär anhand physischer Tätigkeiten bilden, Körper wie Psyche. Wer viel Brot schneidet ist stärker geprägt als jemand der sich geschnitten hat. Wiederholung statt Trauma. Tätigkeit statt Handlung. Ausführung statt Aufführung.


Handbücher stellen die Skripte zu den Tätigkeiten die uns bedienen, sie schlagen diese Tätigkeiten vor. Man taucht nicht ein in ein Handbuch, verliert sich nicht darin. Der Blick wandert vom Buch zur Arbeitsumgebung, sucht dieselbe im Buch und umgekehrt. Lesen, abgleichen, eingreifen, bearbeiten, umformen, nachschlagen, lesen...


Das Theater der Bedienbarkeit trägt dieser besonderen Weise des Handbuchlesens Rechnung.


Explosionszeichnungen
2019

Explosionszeichnungen liegen die fünf im Organon 2 erschienen Handbücher zugrunde:

The Diver in the forest
Betty‘s Burning Body
Estado de la Técnica
Stand der Technik

De la diferencia entre lo temporal y lo eterno
Wagschale der Zeit und Ewigkeit

Perfect Lovers


Die räumliche Anordnung verschiedener ineinandergreifender Tätigkeitsfelder verteilt sich im Saal gemäß ergonomisch ergiebiger Produktionslinien, visuelle und auditive eingeschlossen. Der Theaterraum ist eine Werkstatt sensorisch produktiver Arbeit. Das Organisationsprinzip begrüßt Eigeninitiative, Mitarbeit und Nachbarschaftshilfe ist jedoch darauf angewiesen die etablierten Abläufe aufrechtzuerhalten. Die dem Theaterbesucher antrainierte Folgsamkeit ist dafür eine gute Ausgangslage. Hilflosigkeit, Enttäuschung und Nicht-wissen-wohin-mit-sich sind kalkuliert und willkommenes Reflektionspotential. Die Bestückung primärer Produktionslinien mit Arbeitern wird zentral vom Schaukelschalter ausgeführt. Diese beinhalten insbesondere Buchummantelungsrutsche, Nationalitätenvergabe, Handbuchschubkarrenrotation, Schwarzpulverstreifenanfertigung. Zuhören und Zuschauen wird nur selten angewiesen, da wir davon ausgehen, dass der Großteil der Arbeiter dies automatisch macht. Die narrativ strukturierte Tätigkeitsabfolge wird von Lilith, dem Kolbenhalter und dem Elefantenmann-mann autark aufrechterhalten und bestimmt ableitend die Schließung und Öffnung einzelner Tätigkeitsfelder.


Auszug aus dem Abendzettel:

_____ Suchen Sie sich eine Tätigkeit während der Aufführung.
_____ Sie können die Tätigkeit wechseln.
_____ Sie können sich eine Tätigkeit am Schaukelschalter zuweisen lassen.
_____ Sie können jemand anderem bei einer Tätigkeit helfen.
_____ Sie können eine Tätigkeit, die Sie verlassen hatten wiederaufnehmen.
_____ Versuchen Sie in der Tätigkeit zu bleiben und andere Ereignisse wahrzunehmen ohne die Tätigkeit zu unterbrechen.
_____ Schauen Sie am Rande. Durch ihr peripheres Sehen und Hören aufgenommene Ereignisse können, wenn sie durch die Tätigkeit gefiltert werden, in eine körperliche Erinnerung einfließen.
_____ Bewegen Sie sich langsam und leise.
_____ Wenn Sie sitzen, versuchen Sie das Sitzen als Tätigkeit wahrzunehmen, mehr als das Aufnehmen visueller und akustischer Ereignisse.
_____ Wenn Sie sich nicht sicher sind, kehren Sie zum Schaukelschalter zurück.


Besetzung:

Elefantenmann-mann Theun Karelse
Kolbenhalter Kenneth Dow
Lilith Lilith Becker

erster Akkordarbeiter Verónica Lahitte
zweiter Akkordarbeiter Anna Romanenko

Sachverständiger für Zeichnung und Schicksal Maximilian Bauer
Perfect Lover Oana Vainer
Montage geometrisch unbestimmter Form Sabrina Karl

Erster Schaukler Oliver Kraft
Zweiter Schaukler Björn Kühn


betty betty betty
Szenische Buchvorstellung Organon I
2016
Der Verlag für Handbücher stellt seine ersten Veröffentlichungen im Theater der Bedienbarkeit vor. Das Theater der Bedienbarkeit enthält: 6x druckfrische von Künstlern erstellte Handbücher, 6x Ansätze für eine Praxis des Handbuchlesens und -spielens und 1x die Frage inwieweit das Format des Handbuches die Veränderbarkeit der Welt lesbar macht. Die szenische Buchvorstellung verhandelt mit täglich wechselndem Fokus auf jeweils eines der Bücher den Raum zwischen Umwelt und Akteur, Objekt und Besucher und versucht sich an der Unmöglichkeit einer Notation des komplexen Feldes, das wir einmal Wahrnehmung nennen konnten.

Das Handbuch versteht dieses komplexe Feld als Handlungsraum. Handlungen in diesem Feld sind wiederholbar, potentiell optimierbar und ähneln dabei dem alltäglichen Umgang mit Dingen, wie dem Fahrradfahren oder Staubsaugen. Von der Übertragung dieser Handlungsformate auf den Umgang mit Kunstwerken erhoffen wir Rückkopplungen auf die Funktionen in unserer Umwelt und die Umwelt in unseren Funktionen.

Teilnehmer: Andrea Éva Győri (Künstlerin, Zürich/Schweiz), Anna Romanenko (Künstlerin, Stuttgart), Björn Kühn (Künstler, Stuttgart), Calori & Maillard (artists, Bologna/Italien), Maximilian Bauer (Künstler, Stuttgart), Oliver Kraft (Künstler, Rottweil), Paul Kramer (artist, Berlin), Tomislav Medak (Theoretiker, Zagreb/Kroatien)

Programm:

17. Oktober | 19:00 | Paul Kramer, Verlag für Handbücher
_____Song Cycle (Vol.1)

18. Oktober | 19:00 | Anna Romanenko, Björn Kühn, Maximilian Bauer, Verlag für Handbücher
_____Frucht und Sprechen

19. Oktober | 19:00 | Oliver Kraft, Maximilian Bauer, Verlag für Handbücher
_____Erfassung eines ungetauften Wesens

20. Oktober | 19:00 | Calori & Maillard, Maximilian Bauer, Verlag für Handbücher
_____DANCE how a city moves

21. Oktober | 19:00 | Andrea Éva Győri, Maximilian Bauer, Verlag für Handbücher
_____Orgasm feels at the blue places, for Koreans

Die Verlegenheit der Handbücher
2015

Klausur im Reinwaldhaus in Bodman am Bodensee. Teilnehmer: Anna Romanenko, Björn Kühn, Gabriel Hensche, Giovanni Ambrosio, Harry Walter, Henrik Hillenbrand, Jan Angermann, Judith Neunhäuserer, Julia Wirsching, Justin Tyler Tate, Kenneth Dow, Letizia Calori, Loretta Mesiti, Oliver Kraft, Paul Kramer, Ülkü Süngün, Verena Sprich, Violette Maillard, Wera Buck

Vorläufiges Programm der Klausur:
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